Shakshuka, Menemen, Sataraš & Uova al Purgatorio

Shakshuka, Menemen, Sataraš & Uova al Purgatorio

Es gibt Gerichte, die begleiten dich von früher Kindheit durch das ganze Leben.
Meistens sind es nicht die spektakulären Gerichte, sondern jene, die wir mit Gewohnheiten, Traditionen oder besonderen Momenten verbinden.

Sataraš ist für mich so ein Gericht.

Meine Kindheit, Sataraš und das Gefühl von Zuhause

Ich habe es schon als Kind geliebt. Wenn ich im Sommer nach Hause kam ob aus der Schule oder aus dem Schwimmbad, hungrig und ungeduldig, gab es auf die Schnelle Sataraš.

Pfanne auf den Herd. Tomaten. Paprika. Zwiebeln. Das, was im Sommer nie fehlte.

Manchmal wurden zum Schluss aufgeschlagene Eier untergerührt. Und immer ein Stück Brot dazu.

Das war das schnelle Sommergericht im gesamten ehemaligen Jugoslawien. Wenn ich mich heute mit Gleichaltrigen austausche, kenne ich niemanden, der es nicht gegessen hat.

Ich wusste damals nicht, dass es ähnliche Gerichte überall auf der Welt gibt.
Dass in Nordafrika Shakshuka gekocht wird, in der Türkei Menemen, in Italien Uova al Purgatorio.

Shakshuka

Shakshuka hat seinen Ursprung vermutlich in der nordafrikanischen und levantinischen Küche, also in Regionen rund um das östliche Mittelmeer wie Tunesien, Algerien oder Ägypten.

Der Begriff „Levante“ beschreibt genau diesen Kulturraum: eine Gegend, in der sich Einflüsse über Jahrhunderte vermischt haben und in der Küche nie starr, sondern immer in Bewegung ist.

Mit jüdischen Einwanderern aus Nordafrika fand Shakshuka in den 1950er Jahren seinen Weg nach Israel und wurde dort vor allem ab den 1990er Jahren populär. Heute wird es zu jeder Tageszeit gegessen, zum Frühstück, Mittag- oder Abendessen und ist aus der israelischen Küche kaum wegzudenken.

Der Name beschreibt das Gericht perfekt: „Shakshuka“ bedeutet so viel wie Mischung. Und genau das ist es auch.

Auch hier bilden Tomaten, Paprika und Zwiebeln die Basis. Die Eier sind fester Bestandteil und werden direkt in der würzigen Tomaten-Gemüse-Sauce gegart. Spannend wird es durch die Gewürze wie Kreuzkümmel, Paprikapulver und etwas Chili, manchmal ergänzt durch frischen Koriander. Hier geht es zum Shakshuka-Rezept. 

Menemen

Menemen stammt aus der Region rund um die Stadt Menemen in der Türkei und ist ein Klassiker des türkischen Frühstücks.

Wie beim Sataraš werden die Eier verrührt, bevor sie zum Gemüse gegeben werden.

Auch beim Menemen sind die Grundzutaten Tomaten und Paprika. Sobald diese gar sind, kommen die verquirlten Eier dazu. Das ist die einfache und klassische Variante.

Heute wird es auch mit Beyaz Peynir (ähnlich Feta) oder mit der Wurst Sucuk ergänzt.
Beides schmeckt köstlich, ist jedoch nicht die ursprüngliche Art der Zubereitung.

Sataraš: Kleiner Ausflug in meine Küche

Sataraš ist für mich mehr als ein Gericht. Es ist eine schöne Erinnerung an Zeiten, als meine Oma noch lebte, an Zagreb, an Urlaube und ausgelassene Sommerabende.

Und gleichzeitig ist es ein Gericht, das sich immer wieder neu erfinden lässt.

In meinem Kochbuch Verrückt nach Tomatensauce #2 habe ich diese wunderbare Speise mit einem neuen Aroma ergänzt, mit einer kleinen, überraschenden Idee.

Mein Sataraš hat durch Ziegenfrischkäse in Parmesankruste eine besondere Note bekommen.

Ich liebe die Verbindung von Tradition mit einem leichten Kontrast zur Innovation.

Wenn du Lust hast, einfache Gerichte neu zu entdecken, findest du im Buch viele solcher Momente.

Hier geht’s zum Kochbuch Verrückt nach Tomatensauce #2. 

Uova al Purgatorio

„Eier im Fegefeuer“ heißt dieses Gericht übersetzt.

Wo könnte man sich einen solchen Namen eher ausdenken als in Neapel, im Süden Italiens?

Die Neapolitaner sagen, dass die weißen Eier in der roten Sauce an Seelen im Fegefeuer erinnern.

Es ist die reduzierteste Variante dieser Gerichte, ganz im Sinne der italienischen „Weniger-ist-mehr“-Philosophie.

Tomatensauce, etwas Olivenöl, Eier und vielleicht ein wenig frisches Basilikum oder glatte Petersilie zum Abschluss. Hier geht es zum Rezept. 

Brot ist kein Beiwerk, sondern ein tragender Teil des Gerichts

Diese Gerichte haben eines gemeinsam: die Art, sie zu essen.

Man isst sie nicht klassisch mit Messer und Gabel. Man tunkt das Brot in Ei und Tomatensauce und nimmt so diese köstliche Kombination auf.

Ohne Brot würde etwas Entscheidendes fehlen.

Und jede Kultur macht es anders:

In Italien:

  • Bauernbrot mit kräftiger Kruste
  • oft Sauerteig oder Ciabatta

Auf dem Balkan:

  • weiches Weißbrot, das die Sauce aufsaugt

In der Türkei & im Nahen Osten:

  • frisches, oft warmes Fladenbrot

 

Warum es diese Gerichte überall gibt

Diese Gerichte sind kein Zufall. Sie entstehen in Regionen, in denen:

  • Tomaten und Paprika im Sommer im Überfluss vorhanden sind
  • sie zu den günstigsten Lebensmitteln der Saison gehören
  • sie in keinem Haushalt fehlen
  • Eier jederzeit verfügbar sind

Diese Zutaten wurden in der Saison jeden Tag in verschiedenen Gerichten verarbeitet. Schnell. Einfach. Ohne Verschwendung.

Die wichtigste Zutat: Qualität

Diese einfachen Gerichte leben von der Qualität der Zutaten.

Stimmt diese nicht, lohnt es sich kaum, sie zuzubereiten. Du schmeckst es sofort.

Wenn die Tomaten nicht duften und nicht intensiv schmecken, fange am besten gar nicht erst an.

Aber wenn die Zutaten reif sind – vor allem die Tomaten – dann riecht die Küche schon während des Kochens nach purem Genuss. Mein Herz geht beim Schreiben schon auf.

Warum ich diese Gerichte oft mit meiner Tomatensauce zubereite

Ich bereite diese Gerichte heute oft lieber mit meiner Tomatensauce zu als mit frischen Tomaten. Nicht, weil es schneller geht, sondern weil es für mich geschmacklich stimmiger ist.

Meine Sauce ist keine „Fertigsauce“. Sie ist genau das, was diese Gerichte ursprünglich waren: im Sommer eingekochte, sonnengereifte Tomaten vom Feld. So, wie es seit Generationen gemacht wird.

Ich mag übrigens keine warmen Tomaten mit Schale. Das bedeutet: Wenn ich frisch koche, müsste ich sie erst häuten.

Und wie bereits gesagt: Diese Gerichte leben vom intensiven Aroma der Tomate.

Ein Aroma, das man in Deutschland nicht immer findet, im Süden, durch bessere klimatische Bedingungen, deutlich häufiger.

Mit Salsa Paradiso habe ich genau dieses Aroma immer im Glas. Ein Stück Sommer, jederzeit griffbereit. Für mich ist das Luxus: das echte Tomatenaroma das ganze Jahr über in meiner Vorratskammer zu haben.

Fazit: Ein Gericht, viele Kulturen

Ob Shakshuka in Tel Aviv,
Menemen am Bosporus,
Sataraš auf dem Balkan
oder Uova al Purgatorio in Neapel:

Es geht immer um das Gleiche.

Ein einfaches Gericht aus wenigen Zutaten.
Ein Stück gutes Brot.
Und plötzlich fühlt sich alles wie ein kleines Schlaraffenland an.

Vielleicht berühren uns diese Gerichte genau deshalb so sehr.

Weil sie aus einer Zeit kommen, in der man das gegessen hat, was da war.
Was regional verfügbar war.
Was nicht teuer war und sich jeder leisten konnte.

Das ist mehr als nur Essen.
Das verbindet.

Denn unzählige Haushalte und ganze Nachbarschaften aßen zur gleichen Zeit das Gleiche.

Das ist Zusammengehörigkeit.
Das ist echte Küche.
Echter Genuss.
Ein Gefühl von Zuhause.

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