Cordon Bleu: Der Mythos, die Geschichte & die wahre Herkunft

Cordon Bleu: Der Mythos, die Geschichte & die wahre Herkunft

Ich war gerade einmal 15 Jahre alt, als ich zum ersten Mal zum Schüleraustausch nach Frankreich reiste. Ich wohnte bei einer wunderbaren Familie – genauer gesagt bei Sylvain – und tauchte kopfüber in die französische Lebensart ein. Neugierig war ich schon immer, und leidenschaftlich gerne gegessen habe ich seit jeher. Schon mit 12 Jahren stand ich selbstsicher in der Küche, buk und kochte, was das Zeug hielt.

Aber Frankreich? Das war eine echte Offenbarung! Ich lernte so viel Neues kennen: frische Crevetten, ganze Artischocken, den selbstverständlichen Käsegang nach jedem Essen, traumhafte Patisserie, butterweiche Croissants, duftendes Baguette ... ich fühlte mich wie eine echte Française! Sogar die Haare ließ ich mir in Paris schneiden – im angesagten Isabelle-Adjani-Look mit kühnem, kurzem Pony. Zurück in Oberursel sorgte meine neue Frisur zwar für einiges Schmunzeln und Verwundern, aber ich ließ mich nicht beirren.

Doch stellt euch vor, wie es sich für einen glühenden Frankreich-Fan anfühlte, als ich Jahre später erfuhr: Das klassische Cordon Bleu – mon dieu! – stammt gar nicht aus Frankreich ...

 

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Die wahre Herkunft: Warum das Cordon Bleu aus der Schweiz stammt

Woher kommt dieses knusprige Meisterwerk mit dem so feinen französischen Namen also wirklich? Nicht aus Paris, nicht aus der Provence und auch nicht aus Lyon – sondern aus der Schweiz! Genauer gesagt aus dem beschaulichen Brig im Kanton Wallis.

Die Rettung der hungrigen Gäste: Die Legende aus dem Wallis

Die Geschichte führt uns zurück in die 1930er-Jahre: Eine Köchin in einem Walliser Restaurant hatte eine Gesellschaft von 30 Gästen angemeldet. Völlig unerwartet standen plötzlich noch einmal 30 weitere hungrige Personen vor der Tür. Was tun, wenn die Kalbsschnitzel in der Küche nur für die Hälfte der Leute reichen?

Die Köchin behielt die Nerven und bewies echtes Improvisationstalent: Sie schnitt die vorhandenen Schnitzel auf, sodass Taschen entstanden, und füllte sie mit dem, was die Walliser Speisekammer hergab – feinem Schinken und herzhaftem Käse. Dann ab in Mehl, Ei und Paniermehl und knusprig ausgebacken.

Der Wirt war von diesem kulinarischen Rettungsmanöver so begeistert, dass er der Köchin spontan das „Cordon Bleu“ (das „Blaue Band“) verleihen wollte – damals die höchste Auszeichnung für herausragende Kochkunst. Die Bescheidene winkte ab und antwortete sinngemäß: „Nein, gebt das Band nicht mir – nennt lieber das Gericht so!“

 

Warum heißt es eigentlich „Blaues Band“? (Die Geschichte hinter dem Namen)

Ganz ohne Frankreich geht es dann zum Glück doch nicht! Der Begriff Cordon bleu hat nämlich eine königliche französische Geschichte:

Bereits im 16. Jahrhundert gründete König Heinrich III. von Frankreich den exklusiven Ritterorden vom Heiligen Geist (Ordre du Saint-Esprit). Die Ritter trugen ihr Ordenskreuz an einem breiten, blauen Band – dem Cordon bleu. Da diese Rittergesellschaften bekannt für ihre opulenten Festmahle waren, entwickelte sich der Begriff über die Jahrhunderte zur Metapher für exzellenten Geschmack und meisterhaftes Kochen.

Meine leichte Sommer-Variante: Zucchini Cordon Bleu auf Salsa Paradiso

Auch wenn mein französischer Traum bei der Herkunft eine kleine Schweizer Wendung genommen hat – die Begeisterung für das Zusammenspiel aus knuspriger Hülle, geschmolzenem Käse und herzhaftem Schinken ist geblieben!

Dieses Gericht scheint mir fast ein wenig aus der Mode gekommen zu sein. Dabei gehörte es in meiner Kindheit zu den absoluten Sonntags-Highlights, auf die ich mich immer riesig gefreut habe. Für heiße Tage oder wenn es einfach mal etwas leichter sein darf, habe ich dem Klassiker meine eigene Note verliehen: Zucchini Cordon Bleu auf einem Bett aus fruchtiger Salsa Paradiso.

Ich schneide dafür frische Zucchini längs in dünne Scheiben, fülle sie mit Käse und feinem gekochten Schinken und verpasse ihnen durch eine Prise Oregano und geriebenen Parmesan im Ei eine wunderbar würzige Panade. Goldgelb ausgebacken behält die Zucchini herrlichen Biss und harmoniert perfekt mit dem fruchtigen Saucenspiegel.

Varianten-Tipp: Das Rezept lässt sich übrigens auch wunderbar vegetarisch zubereiten – lasst den Schinken einfach weg oder ersetzt ihn zum Beispiel durch eine Note Räucherkäse oder getrocknete Tomaten.

Lust bekommen, diesen neu interpretierten Klassiker nachzukochen?

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